Luisengymnasium

Bedingte Wahrscheinlichkeiten

Lernziele

Nach diesem Kapitel kannst du:

  • Bedingte Wahrscheinlichkeiten PE(F)P_E(F) aus einer Vierfeldertafel berechnen.
  • Zwischen Vierfeldertafel und Baumdiagramm wechseln und bedingte Wahrscheinlichkeiten an den Pfeilen der zweiten Stufe identifizieren.
  • Sensitivität, Spezifität und den positiven Vorhersagewert eines medizinischen Tests berechnen und interpretieren.
  • PA(B)P_A(B) und PB(A)P_B(A) unterscheiden und der richtigen Fragestellung zuordnen.
  • Das Basisraten-Problem erklären.
Leitfrage

Wie verändert eine Zusatzinformation dein Urteil über eine Wahrscheinlichkeit?

Lernweg

Arbeite dieses Kapitel in vier Schritten:

  1. Das Ziegenproblem: Du erlebst, wie neue Information die Gewinnchance verändert.
  2. Die Formel: Du lernst PE(F)P_E(F) formal und verbindest VFT mit Baumdiagramm (baut auf Phase 1 auf, weil das Ziegenproblem die Intuition liefert).
  3. Üben: Du berechnest bedingte Wahrscheinlichkeiten, baust Baumdiagramme und bewertest medizinische Tests.
  4. Transfer — Basisraten-Problem: Du entdeckst, warum ein positiver Test nicht automatisch "krank" bedeutet.

Schritt 1 von 5

Voraussetzungen — Check-in

Retrieval GatePflicht

1. Berechne den Anteil der Geimpften unter den Nicht-Erkrankten: geimpft \cap nicht erkrankt =120= 120, Summe nicht erkrankt =140= 140. (Kapitel 2)

2. Zeichne ein Baumdiagramm: Münze wird 2-mal geworfen, P(Kopf)=12P(\text{Kopf}) = \frac{1}{2}. Berechne P(Kopf, Kopf)P(\text{Kopf, Kopf}).

3. Was bedeutet „Grundwert" in einer Vierfeldertafel? (Kapitel 2)

Das Ziegenproblem

Das Ziegenproblem

Du bist in einer Spielshow und hast die Wahl zwischen drei Toren. Hinter einem Tor wartet der Hauptgewinn (z.B. ein Mountainbike). Hinter den anderen beiden stehen Trostpreise.

Du wählst ein Tor, z.B. Tor 1. Der Showmaster, der weiß, was hinter den Toren ist, öffnet ein anderes Tor (z.B. Tor 3 — dahinter steht ein Trostpreis). Er fragt: „Möchtest du zu Tor 2 wechseln?"

Deine Vermutung

Schreibe auf, bevor du weiterliest: Ist es besser zu wechseln, besser zu bleiben, oder ist es egal? Begründe.

Experimentieren

Spielt die Show in Partnerarbeit mit Spielkarten nach (Ass = Gewinn, zwei Siebenen = Trostpreise). Jede Person spielt 30 Durchgänge. Fasst die Klassenergebnisse zusammen.

Simulation

Interaktion I3.1: Ziegenproblem-Simulation

Nutze die Simulation, um viele Durchgänge schnell zu testen.

Ziegenproblem-Simulation

Simuliere das Monty-Hall-Problem und beobachte, wie die Gewinnrate gegen 2/3 konvergiert.

Applet wird geladen...

Simulation auswerten

1. Trage deine Vermutung ein: Wechseln / Bleiben / Egal.

2. Strategie „immer wechseln", 30 Durchgänge — relative Häufigkeit notieren.

3. Strategie „immer bleiben", 30 Durchgänge — relative Häufigkeit notieren.

4. Schieberegler auf 1000. Gegen welchen Wert stabilisiert sich „Wechseln"? „Bleiben"?

5. Vergleiche mit deiner Vermutung.

Warum?

Mathematische Begründung

Bestimme P(Gewinn)P(\text{Gewinn}) für die Strategien „bleiben" und „wechseln".

Wahrscheinlichkeit ≠ Relative Häufigkeit

Im Experiment hast du bei 30 Versuchen vielleicht nicht genau 66,7%66{,}7\% gewonnen. Das ist normal: Relative Häufigkeiten schwanken bei kleinem nn. Erst bei großem nn nähern sie sich dem theoretischen Wert. Das ist das empirische Gesetz der großen Zahlen.

Vom Ziegenproblem zur bedingten Wahrscheinlichkeit

In einem Gefäß gibt es rote und blaue Kugeln — manche markiert, manche nicht:

markiertunmarkiertSumme
rot314
blau246
Summe5510

Wenn du blind ziehst: P(markiert)=510=50%P(\text{markiert}) = \frac{5}{10} = 50\%.

Aber wenn du erfährst, dass die Kugel rot ist, kommen nur noch 4 Kugeln infrage — davon 3 markiert:

P(markiertrot)=34=75%P(\text{markiert} \mid \text{rot}) = \frac{3}{4} = 75\%

Die Information „rot" hat die Wahrscheinlichkeit von 50%50\% auf 75%75\% verändert — genau wie die Information des Showmasters beim Ziegenproblem die Gewinnchance verändert hat.

Erkenntnis

Zusatzinformation kann die Wahrscheinlichkeit verändern. Dieses Phänomen heißt bedingte Wahrscheinlichkeit.

Die Formel

Die Formel

Retrieval GatePflicht

1. Wie groß war P(GewinnWechseln)P(\text{Gewinn} \mid \text{Wechseln}) beim Ziegenproblem?

2. Im Kugel-Beispiel: Wie groß ist P(markiertrot)P(\text{markiert} \mid \text{rot})?

3. Warum ist P(markiertrot)P(markiert)P(\text{markiert} \mid \text{rot}) \neq P(\text{markiert})?



Definition: Bedingte Wahrscheinlichkeit

Die Wahrscheinlichkeit für FF unter der Bedingung EE heißt bedingte Wahrscheinlichkeit:

PE(F)=P(EF)P(E)P_E(F) = \frac{P(E \cap F)}{P(E)}

In der Vierfeldertafel: Zelle durch Zeilen- oder Spaltensumme — je nach Bedingung.

Im Baumdiagramm: Bedingte Wahrscheinlichkeiten stehen an den Pfeilen der zweiten Stufe.


Self-Explanation

Nachdenken

Warum teilen wir durch P(R)P(R) und nicht durch P(M)P(M)? Was würde sich ändern, wenn wir PM(R)P_M(R) berechnen?


Zusammenhang VFT ↔ Baumdiagramm

Zu jeder Vierfeldertafel gibt es zwei verschiedene Baumdiagramme — je nachdem, welches Merkmal auf der ersten Stufe steht:

Baumdiagramm 1 (Farbe zuerst):

  • Erste Stufe: P(R)=0,4P(R) = 0{,}4 und P(R)=0,6P(\overline{R}) = 0{,}6
  • Zweite Stufe bei RR: PR(M)=0,75P_R(M) = 0{,}75 und PR(M)=0,25P_R(\overline{M}) = 0{,}25
  • Zweite Stufe bei R\overline{R}: PR(M)=0,20,6=13P_{\overline{R}}(M) = \frac{0{,}2}{0{,}6} = \frac{1}{3} und PR(M)=23P_{\overline{R}}(\overline{M}) = \frac{2}{3}

Baumdiagramm 2 (Markierung zuerst):

  • Erste Stufe: P(M)=0,5P(M) = 0{,}5 und P(M)=0,5P(\overline{M}) = 0{,}5
  • Zweite Stufe bei MM: PM(R)=0,6P_M(R) = 0{,}6 und PM(R)=0,4P_M(\overline{R}) = 0{,}4
  • Zweite Stufe bei M\overline{M}: PM(R)=0,10,5=0,2P_{\overline{M}}(R) = \frac{0{,}1}{0{,}5} = 0{,}2 und PM(R)=0,8P_{\overline{M}}(\overline{R}) = 0{,}8

Beide Baumdiagramme beschreiben denselben Sachverhalt — nur aus unterschiedlicher Perspektive.


Fading: Completion

Bedingte Wahrscheinlichkeiten berechnen

EEE\overline{E}Summe
FF10%10\%5%5\%15%15\%
F\overline{F}50%50\%35%35\%85%85\%
Summe60%60\%40%40\%100%100\%

(a) PE(F)=P(EF)P(E)=______=P_E(F) = \frac{P(E \cap F)}{P(E)} = \frac{\text{\_\_\_}}{\text{\_\_\_}} = ___

(b) PE(F)=______=P_E(\overline{F}) = \frac{\text{\_\_\_}}{\text{\_\_\_}} = ___

(c) PE(F)=______=P_{\overline{E}}(F) = \frac{\text{\_\_\_}}{\text{\_\_\_}} = ___

(d) Prüfe: PE(F)+PE(F)=P_E(F) + P_E(\overline{F}) = ___ (muss 1 sein)

Fading: Independent

Restaurant

KK (Kaffee)TT (Tee)Summe
FF (Frau)0,30{,}30,10{,}10,40{,}4
F\overline{F}0,20{,}20,40{,}40,60{,}6
Summe0,50{,}50,50{,}511

(a) Berechne PF(K)P_F(K), PK(F)P_K(F), PF(T)P_{\overline{F}}(T) und PT(F)P_T(\overline{F}).

(b) Zeichne die zwei Baumdiagramme (Geschlecht zuerst / Getränk zuerst).

(c) Erkläre: Warum ist PF(K)PK(F)P_F(K) \neq P_K(F)?


Diagnose: PA(B)P_A(B) vs. PB(A)P_B(A)

Diagnose: Grundwert bei bedingter Wahrscheinlichkeit

Aus der Restaurant-VFT:

(a) Berechne: „Wie wahrscheinlich ist Kaffee, wenn eine Frau sitzt?" Markiere den Grundwert in der VFT.

(b) Berechne: „Wie wahrscheinlich ist eine Frau, wenn Kaffee getrunken wird?" Markiere den Grundwert.

(c) Vergleiche die Ergebnisse.

Diagnose: Formel-Verwechslung

Diagnose: Finde den Fehler

Max berechnet: PE(F)=P(E)P(F)=0,60,15=4P_E(F) = \frac{P(E)}{P(F)} = \frac{0{,}6}{0{,}15} = 4.

(a) Warum kann das Ergebnis nicht stimmen?

(b) Wo liegt Max' Fehler?

(c) Berechne PE(F)P_E(F) korrekt mit P(EF)=0,10P(E \cap F) = 0{,}10 und P(E)=0,60P(E) = 0{,}60.


Üben

Üben

Retrieval GatePflicht

1. Berechne PA(B)P_A(B): AB=0,2A \cap B = 0{,}2, AB=0,4A \cap \overline{B} = 0{,}4.

2. Was steht an den Pfeilen der zweiten Stufe eines Baumdiagramms?

3. (Kap.2) Vervollständige: AB=25A \cap B = 25, Summe A=41A = 41, Summe B=39\overline{B} = 39, Gesamt =73= 73. Was ist AB\overline{A} \cap B?

4. (Früheres Kapitel) Bestimme die Nullstellen von f(x)=x25x+6f(x) = x^2 - 5x + 6.


Glückskekse

Gewinn (GG)Niete (NN)Summe
dunkel (dd)0,020{,}020,180{,}180,200{,}20
hell (hh)0,120{,}120,680{,}680,800{,}80
Summe0,140{,}140,860{,}8611

Berechne: (a) Pd(G)P_d(G), (b) PG(d)P_G(d), (c) Ph(G)P_h(G). (d) Bei welchem Keks ist die Gewinnchance höher?

Bedingte Wahrscheinlichkeiten aus absoluten Zahlen

BBB\overline{B}Summe
AA402060
A\overline{A}02020
Summe404080

Berechne PA(B)P_A(B), PB(A)P_B(A), PB(A)P_{\overline{B}}(\overline{A}) und PA(B)P_{\overline{A}}(\overline{B}).

Baumdiagramme konstruieren

Gegeben ist die VFT:

EEE\overline{E}Summe
FF10%10\%5%5\%15%15\%
F\overline{F}50%50\%35%35\%85%85\%
Summe60%60\%40%40\%100%100\%

(a) Zeichne das Baumdiagramm mit EE/E\overline{E} auf der ersten Stufe.

(b) Zeichne das Baumdiagramm mit FF/F\overline{F} auf der ersten Stufe.

Forschungsinstitut

In einem Forschungsinstitut arbeiten 20 Professorinnen und 25 Studenten. 70%70\% der Professorinnen und 72%72\% der Studenten trinken bei Meetings Kaffee, die übrigen Tee.

(a) Erstelle eine Vierfeldertafel.

(b) Bestimme die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig ausgewählte Person ein Student ist.

(c) Bestimme P(StudentKaffee)P(\text{Student} \mid \text{Kaffee}).

(d) Bestimme P(KaffeeStudent)P(\text{Kaffee} \mid \text{Student}).


Sensitivität und Spezifität

Medizinische Tests
  • Sensitivität =PI(+)= P_I(+): Wahrscheinlichkeit eines positiven Tests bei infizierter Person.
  • Spezifität =PI()= P_{\overline{I}}(-): Wahrscheinlichkeit eines negativen Tests bei nicht-infizierter Person.

Je näher beide bei 1, desto zuverlässiger der Test.

Schnelltest bewerten

InfiziertNicht infiziertGesamt
Positiv1031104
Negativ5114119
Gesamt108115223

Berechne Sensitivität und Spezifität. Erfüllt der Test die Mindestkriterien (80%\geq 80\% bzw. 97%\geq 97\%)?


Interleaving

Früheres Thema: VFT vervollständigen

BBB\overline{B}Summe
AA??60
A\overline{A}45??
Summe75?150

Vervollständige die Vierfeldertafel.

Früheres Thema: Grafik beurteilen

Ein Balkendiagramm zeigt Ausgaben von 5000050\,000\,€ und 5200052\,000\,€. Die y-Achse beginnt bei 4900049\,000\,€. Beurteile die Darstellung und nenne die Manipulationsmethode.


KI-Prompt: Bedingte Wahrscheinlichkeit üben

Du kannst den folgenden Prompt in eine KI kopieren, um zusätzliche Übung zu bekommen.

Abgabe-Aufgaben (Hausaufgabe)

Abgabe 1 (AFB I): Bedingte W. berechnen

BBB\overline{B}Summe
AA0,20{,}20,40{,}40,60{,}6
A\overline{A}0,10{,}10,30{,}30,40{,}4
Summe0,30{,}30,70{,}711

Berechne PA(B)P_A(B), PB(A)P_B(A) und PA(B)P_{\overline{A}}(\overline{B}).

Textabgabe

Abgabe 2 (AFB II): Automodell

Bei einem Automodell gibt es als Sonderzubehör einen Spurassistenten (SS) und eine Verkehrszeichenerkennung (VV). Den Spurassistenten bestellen 30%30\%. 20%20\% nehmen beide Systeme. Die Hälfte bestellt keines davon.

(a) Erstelle eine Vierfeldertafel.

(b) Bestimme P(Verkehrszeichenerkennung)P(\text{Verkehrszeichenerkennung}).

(c) Bestimme PS(V)P_S(V).

Textabgabe

Abgabe 3 (AFB II): Münzwurf

Eine Münze wird dreimal geworfen. EE: „Beim zweiten Wurf lag Zahl oben." FF: „Es lag dreimal Zahl oben."

Berechne PE(F)P_E(F) und PF(E)P_F(E). Beschreibe die Wahrscheinlichkeiten in Worten.

Textabgabe

Abgabe 4 (AFB III): Medizinischer Test interpretieren

Bei einem Test werden II: „Person infiziert" und PP: „Test positiv" betrachtet.

Beschreibe die Bedeutung der folgenden Wahrscheinlichkeiten und beurteile, welche eher groß bzw. klein sein sollten:

(a) PI(+)P_I(+) (b) PI()P_I(-) (c) P+(I)P_+(I) (d) P(I)P_-(I)

Textabgabe

Selbstdiagnose

Selbstdiagnose
Wie sicher bist du, dass du ein ähnliches Problem allein lösen könntest?

Transfer: Das Basisraten-Problem

Transfer: Das Basisraten-Problem

MC-Test

MC-Test: Bedingte Wahrscheinlichkeit

Frage 1 (AFB I): Aus einer VFT: AB=0,15A \cap B = 0{,}15, P(A)=0,5P(A) = 0{,}5. Berechne PA(B)P_A(B).

  • (A) 0,150,5=0,0750{,}15 \cdot 0{,}5 = 0{,}075
  • (B) 0,150,5=0,3\frac{0{,}15}{0{,}5} = 0{,}3
  • (C) 0,50,153,3\frac{0{,}5}{0{,}15} \approx 3{,}3
  • (D) 0,15+0,5=0,650{,}15 + 0{,}5 = 0{,}65

Frage 2 (AFB I): Was beschreibt PI(+)P_I(+) bei einem medizinischen Test?

  • (A) W., infiziert zu sein, wenn Test positiv
  • (B) W., dass Test positiv ist, wenn Person infiziert
  • (C) W., infiziert UND positiv zu sein
  • (D) W., negativ getestet zu werden

Frage 3 (AFB II): Restaurant-VFT: FK=0,3F \cap K = 0{,}3, P(F)=0,4P(F) = 0{,}4, P(K)=0,5P(K) = 0{,}5. Berechne PF(K)P_F(K) und PK(F)P_K(F).

  • (A) Beide gleich: 0,30{,}3
  • (B) PF(K)=0,75P_F(K) = 0{,}75 und PK(F)=0,6P_K(F) = 0{,}6
  • (C) PF(K)=0,6P_F(K) = 0{,}6 und PK(F)=0,75P_K(F) = 0{,}75
  • (D) PF(K)=0,3P_F(K) = 0{,}3 und PK(F)=0,3P_K(F) = 0{,}3

Frage 4 (AFB II): Im Baumdiagramm stehen an den Pfeilen der zweiten Stufe:

  • (A) Absolute Häufigkeiten
  • (B) Unbedingte Wahrscheinlichkeiten
  • (C) Bedingte Wahrscheinlichkeiten
  • (D) Randsummen der VFT

Frage 5 (AFB III): Ein Test hat Sensitivität 95%95\%, Spezifität 99%99\%, Inzidenz 0,1%0{,}1\%. Lisa wird positiv getestet und sagt: „Ich bin zu 95%95\% krank." Hat sie recht?

  • (A) Ja, 95%95\% ist die Sensitivität.
  • (B) Nein, P+(I)P_+(I) ist wegen der niedrigen Inzidenz viel kleiner als 95%95\%.
  • (C) Nein, P+(I)=99%P_+(I) = 99\% (Spezifität).
  • (D) Man kann es nicht berechnen.

Frage 6 (AFB II): Sensitivität eines Tests ist PI(+)=90%P_I(+) = 90\%. Was sagt das über P+(I)P_+(I) (den positiven Vorhersagewert)?

  • (A) P+(I)=90%P_+(I) = 90\% — dasselbe.
  • (B) P+(I)P_+(I) hängt von der Inzidenz ab und kann deutlich kleiner sein.
  • (C) P+(I)P_+(I) ist immer größer als die Sensitivität.
  • (D) Man kann P+(I)P_+(I) nicht berechnen.

Frage 7 (AFB II): Im Kugel-Beispiel: PR(M)=0,75P_R(M) = 0{,}75 und PM(R)=0,6P_M(R) = 0{,}6. Warum sind die Werte verschieden?

  • (A) Rundungsfehler.
  • (B) Die Grundwerte sind verschieden: P(R)=0,4P(R) = 0{,}4 vs. P(M)=0,5P(M) = 0{,}5.
  • (C) Die Formel wurde falsch angewendet.
  • (D) Die VFT ist widersprüchlich.

Frage 8 (AFB II): Max berechnet PE(F)=P(E)P(F)=0,60,15=4P_E(F) = \frac{P(E)}{P(F)} = \frac{0{,}6}{0{,}15} = 4. Warum ist das falsch?

  • (A) Man muss addieren statt dividieren.
  • (B) Im Zähler muss P(EF)P(E \cap F) stehen, nicht P(E)P(E).
  • (C) Im Nenner muss P(EF)P(E \cap F) stehen.
  • (D) Das Ergebnis ist korrekt.

Frage 9 (AFB III): Derselbe Test (Sensitivität 95%95\%, Spezifität 99%99\%), aber jetzt in einer Risikogruppe mit Inzidenz 30%30\%. Wie verändert sich P+(I)P_+(I)?

  • (A) P+(I)P_+(I) sinkt, weil mehr Infizierte den Test verfälschen.
  • (B) P+(I)P_+(I) bleibt gleich — er hängt nur von Sensitivität und Spezifität ab.
  • (C) P+(I)P_+(I) steigt stark auf ca. 98%98\%.
  • (D) P+(I)P_+(I) steigt leicht auf ca. 15%15\%.

Frage 10 (AFB III): Beim Ziegenproblem hast du bei 30 Versuchen 57%57\% Gewinn mit Wechseln statt 66,7%66{,}7\%. Ist die Theorie falsch?

  • (A) Ja, das Experiment widerlegt die Theorie.
  • (B) Nein, bei n=30n = 30 sind Abweichungen normal. Erst bei großem nn konvergiert die relative Häufigkeit.
  • (C) Ja, die Wahrscheinlichkeit muss 57%57\% sein.
  • (D) Man kann es nicht beurteilen.

Basisraten-Explorer

Interaktion I3.2: Basisraten-Explorer

Drei Schieberegler steuern eine VFT in Echtzeit. Beobachte, wie sich P+(krank)P_+(\text{krank}) verändert.

Basisraten-Explorer: Medizinischer Test

Erkunde, warum ein positiver Test nicht automatisch krank bedeutet.

Applet wird geladen...

Simulation: Basisraten-Problem

1. Stelle ein: Sensitivität 80%80\%, Spezifität 97%97\%, Inzidenz 3%3\%. Lies P+(krank)P_+(\text{krank}) ab.

2. Vermutung aufschreiben: Was passiert bei Inzidenz 0,1%0{,}1\%?

3. Schieberegler auf 0,1%0{,}1\% — vergleichen.

4. Inzidenz auf 30%30\%P+(krank)P_+(\text{krank}) notieren.

5. In welchem Fall ist ein positiver Test am aussagekräftigsten? Warum?


Transferaufgabe: Ceyla und die Ärztin

Ceyla wird positiv getestet

Sensitivität 80%80\%, Spezifität 97%97\%, Inzidenz 3%3\%, Einwohnerzahl 100000100\,000.

(a) Erstelle eine VFT und berechne P+(infiziert)P_+(\text{infiziert}).

(b) Was antwortet die Ärztin bei Inzidenz 0,1%0{,}1\%?

(c) Was bei Spezifität 99,9%99{,}9\% und Inzidenz 0,1%0{,}1\%?


Transferaufgabe: Internetseite und Inzidenz (optional — Vertiefung)

Falsch-positive bei verschiedenen Inzidenzen (Vertiefung)

Eine Internetseite berechnet für einen Schnelltest (Sensitivität 80%80\%, Spezifität 97%97\%):

Hohe Inzidenz (3%3\%): Von 100000100\,000 Getesteten werden 53105\,310 positiv getestet, davon 24002\,400 tatsächlich infiziert → ca. 55%55\% der positiven Tests sind falsch-positiv.

Niedrige Inzidenz (0,015%0{,}015\%): Es ergeben sich 99,6%99{,}6\% falsch-positive.

(a) Kontrolliere die Aussagen durch je eine VFT.

(b) Was würde passieren, wenn es gar keine Infizierten gäbe?


Vernetzung

Ausblick auf Kapitel 4

Bisher haben wir gesehen: Information verändert Wahrscheinlichkeiten. Aber gibt es Situationen, in denen eine Information die Wahrscheinlichkeit nicht verändert? Wenn PE(F)=P(F)P_E(F) = P(F) gilt, dann ändert die Information über EE nichts an der Wahrscheinlichkeit von FF. Das führt zum Begriff der stochastischen Unabhängigkeit.

Rückblick auf Kapitel 2

Die Anteile, die wir in Kapitel 2 in der Vierfeldertafel berechnet haben, sind nichts anderes als bedingte Wahrscheinlichkeiten — nur hatten sie damals noch keinen formalen Namen. „Anteil der Geimpften unter den Nicht-Erkrankten" ist genau PK(I)P_{\overline{K}}(I).


Reflexion

Rückblick

Wie verändert eine Zusatzinformation dein Urteil?

Nenne zwei Beispiele aus diesem Kapitel, in denen eine Information die Wahrscheinlichkeit stark verändert hat — und erkläre, warum.