Luisengymnasium

Stochastische Unabhängigkeit

Lernziele

Nach diesem Kapitel kannst du:

  • Rechnerisch prüfen, ob zwei Ereignisse stochastisch unabhängig sind (Produktregel).
  • Unter der Annahme stochastischer Unabhängigkeit Wahrscheinlichkeiten berechnen.
  • An Baumdiagrammen erkennen, ob Unabhängigkeit vorliegt.
  • Beurteilen, ob die Annahme der Unabhängigkeit in einem Kontext gerechtfertigt ist.
  • Begründen, warum bei Unabhängigkeit ad=bca \cdot d = b \cdot c in der VFT gilt.
Leitfrage

Wann ändert eine Information deine Einschätzung — und wann nicht?

Lernweg

Arbeite dieses Kapitel in vier Schritten:

  1. Beeinflusst der erste Zug den zweiten? Du vergleichst Kugelziehen mit und ohne Zurücklegen und entdeckst den Unterschied.
  2. Definition und Produktregel: Du lernst die formale Definition und prüfst Unabhängigkeit rechnerisch (baut auf Phase 1 auf, weil du die Intuition aus dem Kugelexperiment brauchst).
  3. Üben: Du wendest die Produktregel an und unterscheidest Abhängigkeit von Kausalität.
  4. Transfer: Du führst einen Beweis und reflektierst die gesamte Reihe.

Schritt 1 von 5

Voraussetzungen — Check-in

1. Berechne PE(F)P_E(F): EF=0,3E \cap F = 0{,}3, P(E)=0,4P(E) = 0{,}4. (Kapitel 3)

2. Was bedeutet PE(F)=P(F)P_E(F) = P(F)? Erkläre in einem Satz.

3. Berechne P(Kopf, Kopf)P(\text{Kopf, Kopf}) bei zweimaligem Münzwurf.

Retrieval GatePflicht

1. PE(F)=0,30,4=0,75=75%P_E(F) = \frac{0{,}3}{0{,}4} = 0{,}75 = 75\%

2. Die Information, dass EE eingetreten ist, ändert nichts an der Wahrscheinlichkeit von FF — die Ereignisse sind stochastisch unabhängig.

3. P(KK)=1212=14=25%P(\text{KK}) = \frac{1}{2} \cdot \frac{1}{2} = \frac{1}{4} = 25\%

::::

Beeinflusst der erste Zug den zweiten?

Bleistift-Experiment

Beschrifte die Seiten eines Sechskant-Bleistifts mit den Augenzahlen 1 bis 6. Rolle ihn 30-mal rechts und 30-mal links. Untersuche: Hängt die Wahrscheinlichkeit von der Rollrichtung ab?

Intuitiv haben wir eine Vorstellung davon, wann Dinge voneinander „unabhängig" sind. Mithilfe bedingter Wahrscheinlichkeiten können wir das mathematisch präzisieren.

Tipp

Merke dir dein Ergebnis! Wir kommen auf dieses Experiment zurück, wenn wir die Produktregel kennen. Dann kannst du rechnerisch prüfen, ob Rollrichtung und Augenzahl wirklich unabhängig sind.


Kugelziehen: Mit und ohne Zurücklegen

Aus einem Gefäß mit 6 roten und 4 blauen Kugeln werden nacheinander zwei Kugeln gezogen. Wir betrachten:

  • EE: „Im ersten Zug rot" mit P(E)=610P(E) = \frac{6}{10}
  • FF: „Im zweiten Zug rot"

Vergleich: Mit vs. ohne Zurücklegen

(a) Zeichne das Baumdiagramm für Ziehen mit Zurücklegen. Berechne PE(F)P_E(F) und P(F)P(F).

(b) Zeichne das Baumdiagramm für Ziehen ohne Zurücklegen. Berechne PE(F)P_E(F) und P(F)P(F).

(c) In welchem Fall gilt PE(F)=P(F)P_E(F) = P(F)? Was bedeutet das?

Erkenntnis

Beim Münzwurf beeinflusst der erste Wurf den zweiten nicht: PE(F)=P(F)P_E(F) = P(F). Beim Kugelziehen ohne Zurücklegen schon: PE(F)P(F)P_E(F) \neq P(F). Diese Unterscheidung nennen wir stochastische Unabhängigkeit.

Definition und Produktregel

Retrieval GatePflicht

1. Beim Kugelziehen mit Zurücklegen: PE(F)=?P_E(F) = ? und P(F)=?P(F) = ?

2. Beim Kugelziehen ohne Zurücklegen: PE(F)=?P_E(F) = ? und P(F)=?P(F) = ?

3. Warum war das Ergebnis in beiden Fällen unterschiedlich?


Worked Example: Stochastische Unabhängigkeit formal

Schritt 1 — Ansatz: Wir vergleichen PE(F)P_E(F) mit P(F)P(F) für das Kugelziehen mit Zurücklegen.

Schritt 2 — Definition:

Definition: Stochastische Unabhängigkeit

Zwei Ereignisse EE und FF heißen stochastisch unabhängig, wenn:

PE(F)=P(F)P_E(F) = P(F)

Das ist äquivalent zu:

P(EF)=P(E)P(F)P(E \cap F) = P(E) \cdot P(F)

Begründung: PE(F)=P(EF)P(E)=P(F)P_E(F) = \frac{P(E \cap F)}{P(E)} = P(F) ist äquivalent zu P(EF)=P(E)P(F)P(E \cap F) = P(E) \cdot P(F).

In der Vierfeldertafel: Der Zelleninhalt ist das Produkt der zugehörigen Randwahrscheinlichkeiten.

Schritt 3 — Prüfung am Kugelbeispiel:

Mit Zurücklegen: P(EF)=36100=0,36P(E \cap F) = \frac{36}{100} = 0{,}36 und P(E)P(F)=0,60,6=0,36P(E) \cdot P(F) = 0{,}6 \cdot 0{,}6 = 0{,}36. ✓ Unabhängig.

Ohne Zurücklegen: P(EF)=3090=130,333P(E \cap F) = \frac{30}{90} = \frac{1}{3} \approx 0{,}333 und P(E)P(F)=0,60,6=0,36P(E) \cdot P(F) = 0{,}6 \cdot 0{,}6 = 0{,}36. 0,3330,360{,}333 \neq 0{,}36. ✗ Abhängig.

Schritt 4 — Interpretation: In der VFT erkennt man Unabhängigkeit daran, dass jeder Zelleninhalt das Produkt seiner Randwahrscheinlichkeiten ist. Wenn das nicht zutrifft, sind die Ereignisse abhängig.


Self-Explanation

Nachdenken

Im Baumdiagramm „mit Zurücklegen" sind die Pfadwahrscheinlichkeiten der zweiten Stufe überall gleich (610\frac{6}{10} und 410\frac{4}{10}). Im Baumdiagramm „ohne Zurücklegen" ändern sie sich. Erkläre den Zusammenhang mit stochastischer Unabhängigkeit.


Worked Example 2: Unabhängigkeit als Modellannahme

Worked Example: Streichhölzer

Ein Streichholz zündet mit P=95%P = 95\%. Jonas probiert zwei Hölzer.

(a) Berechne P(beide zu¨nden)P(\text{beide zünden}), wenn die Zündvorgänge stochastisch unabhängig sind.

(b) Nenne Argumente, die gegen die Unabhängigkeitsannahme sprechen.

Wichtig: Unabhängigkeit ist eine Modellannahme

In der Realität ist stochastische Unabhängigkeit oft eine vereinfachende Annahme. Man muss immer prüfen, ob sie im Kontext plausibel ist. Die Produktregel gilt nur, wenn die Annahme berechtigt ist.


Fading: Completion

Zwei Würfel: Unabhängigkeit prüfen

Zwei Würfel werden geworfen. EE: „Der erste Würfel zeigt 6", FF: „Die Augensumme ist 7".

P(E)=636=16P(E) = \frac{6}{36} = \frac{1}{6}

P(F)=P(F) = ___ (Zähle: Wie viele der 36 Augenpaare ergeben Summe 7?)

P(EF)=P(E \cap F) = ___ (Welche Paare haben „Erster = 6" UND „Summe = 7"?)

P(E)P(F)=P(E) \cdot P(F) = ___ \cdot ___ == ___

Vergleich: P(EF)P(E \cap F) ___ P(E)P(F)P(E) \cdot P(F) → stochastisch __________

Fading: Independent

Augensumme 8

Zwei Würfel. EE: „Erster zeigt 6", GG: „Augensumme ist 8".

Prüfe, ob EE und GG stochastisch unabhängig sind.


Diagnose: Symmetrie ≠ Unabhängigkeit

Konfrontation: Symmetrisch = unabhängig?

Prüfe bei beiden Vierfeldertafeln, ob AA und BB stochastisch unabhängig sind.

Tafel 1 (sieht „ordentlich" aus):

BBB\overline{B}Summe
AA0,10{,}10,30{,}30,40{,}4
A\overline{A}0,20{,}20,40{,}40,60{,}6
Summe0,30{,}30,70{,}711

Tafel 2 (sieht „unordentlich" aus):

BBB\overline{B}Summe
AA303020205050
A\overline{A}90906060150150
Summe1201208080200200

Üben

Retrieval GatePflicht

1. Prüfe: P(A)=0,4P(A) = 0{,}4, P(B)=0,5P(B) = 0{,}5, P(AB)=0,2P(A \cap B) = 0{,}2. Unabhängig?

2. Was bedeutet „stochastisch unabhängig" in einem Satz?

3. (Kap.3) Berechne PA(B)P_A(B): AB=0,3A \cap B = 0{,}3, P(A)=0,4P(A) = 0{,}4.

4. (Kap.2) Vervollständige: Summe A=60A = 60, AB=30A \cap B = 30, Gesamt =150= 150, Summe B=75B = 75.


Fahrgäste ohne Fahrschein

5%5\% aller Fahrgäste fahren ohne Fahrschein. Zwei nebeneinandersitzende Fahrgäste werden kontrolliert.

(a) Bestimme P(beide haben Fahrschein)P(\text{beide haben Fahrschein}) unter der Annahme stochastischer Unabhängigkeit.

(b) Nenne zwei Argumente, die gegen die Unabhängigkeitsannahme sprechen.

Münzwurf: Unabhängigkeit prüfen

Eine Münze wird zweimal geworfen. AA: „Erste Münze zeigt Wappen." BB: „Zweite Münze zeigt Wappen." CC: „Beide zeigen Wappen." DD: „Beide zeigen die gleiche Seite."

Prüfe auf stochastische Unabhängigkeit: (a) AA und BB, (b) AA und CC, (c) AA und DD.

Medikament

Ein Medikament wirkt mit 70%70\%. Eine Ärztin behandelt damit zwei Patienten und behauptet: „Mit 9%9\% wirkt es bei keinem."

Erläutere, wie sie zu diesem Ergebnis kommt und was das mit stochastischer Unabhängigkeit zu tun hat.

VFT ergänzen: Unabhängig oder abhängig?

Gegeben: P(A)=0,3P(\overline{A}) = 0{,}3 und P(B)=0,8P(B) = 0{,}8.

Ergänze die VFT so, dass AA und BB:

(a) stochastisch unabhängig sind,

(b) stochastisch abhängig sind.


Diagnose: Abhängigkeit ≠ Kausalität

Diagnose: Korrelation und Kausalität

(a) Eiscremeverkäufe (EE) und Sonnenbrandrate (SS) korrelieren: PE(S)>P(S)P_E(S) > P(S). Verursacht Eis Sonnenbrand?

(b) Storchenpopulation und Geburtenrate korrelieren in europäischen Ländern. Bringen Störche die Babys?

(c) Was ist die tatsächliche Erklärung in beiden Fällen?


Interleaving

Früheres Thema: Bedingte Wahrscheinlichkeit

BBB\overline{B}Summe
AA10%10\%30%30\%40%40\%
A\overline{A}40%40\%20%20\%60%60\%
Summe50%50\%50%50\%100%100\%

Berechne PA(B)P_A(B) und PB(A)P_B(A).

Früheres Thema: Grafik beurteilen

Ein Diagramm zeigt den CO₂-Ausstoß als 3D-Säulen. Die hinteren Säulen wirken höher als die vorderen.

Welche Manipulationsmethode liegt vor? Wie kann man die Darstellung verbessern?


Du kannst den folgenden Prompt in eine KI kopieren, um zusätzliche Übung zu bekommen.

Abgabe-Aufgaben (Hausaufgabe)

Abgabe 1 (AFB I): Baumdiagramm → VFT → Unabhängigkeit

Ein Baumdiagramm zeigt: P(A)=13P(A) = \frac{1}{3}, PA(B)=12P_A(B) = \frac{1}{2}, PA(B)=12P_{\overline{A}}(B) = \frac{1}{2}.

(a) Erstelle die zugehörige Vierfeldertafel.

(b) Prüfe, ob AA und BB stochastisch unabhängig sind.

Textabgabe

Abgabe 2 (AFB II): Zwei Würfel

Zwei Würfel werden geworfen. AA: „Augensumme ist 7", BB: „Die Augenzahlen unterscheiden sich um 3."

(a) Notiere alle Augenpaare für AA, BB und ABA \cap B.

(b) Prüfe, ob AA und BB stochastisch unabhängig sind.

Textabgabe

Abgabe 3 (AFB III): Schulverlauf und Abitur

Linker Artikel: 37%37\% der jungen Erwachsenen erreichen das Abitur. Bei 53%53\% dieser Jugendlichen hatte auch mindestens ein Elternteil Abitur. Unter den Nicht-Abiturienten hatten 9%9\% mindestens ein Elternteil mit Abitur.

Rechter Artikel: 77%77\% der Kinder mit mindestens einem Abitur-Elternteil schaffen selbst das Abitur. 77%77\% der Kinder ohne Abitur-Elternteil erwerben es nicht. Abiturientenquote der Eltern: 25%25\%.

(a) Stelle die Information aus dem rechten Artikel in einer VFT dar.

(b) Zeige, dass man dieser VFT auch die Informationen des linken Artikels entnehmen kann.

(c) Untersuche, ob die Ergebnisse von Kindern und Eltern stochastisch unabhängig sind. Diskutiere: Werden durch die Artikel versteckte Botschaften übermittelt?

Textabgabe

Selbstdiagnose
Wie sicher bist du, dass du ein ähnliches Problem allein lösen könntest?

Transfer, Beweis, Gesamtreflexion

MC-Test

MC-Test: Stochastische Unabhängigkeit

Frage 1 (AFB I): P(A)=0,3P(A) = 0{,}3, P(B)=0,5P(B) = 0{,}5, P(AB)=0,15P(A \cap B) = 0{,}15. Unabhängig?

  • (A) Ja, P(A)P(B)=0,15=P(AB)P(A) \cdot P(B) = 0{,}15 = P(A \cap B).
  • (B) Nein, P(A)P(B)=0,80,15P(A) \cdot P(B) = 0{,}8 \neq 0{,}15.
  • (C) Ja, weil 0,15<0,50{,}15 < 0{,}5.
  • (D) Man kann es nicht entscheiden.

Frage 2 (AFB I): Stochastische Unabhängigkeit von EE und FF bedeutet:

  • (A) EE und FF können nicht gleichzeitig eintreten.
  • (B) PE(F)=P(F)P_E(F) = P(F)
  • (C) P(E)+P(F)=1P(E) + P(F) = 1
  • (D) EE und FF haben nichts miteinander zu tun.

Frage 3 (AFB II): Ein Baumdiagramm zeigt: P(A)=0,4P(A) = 0{,}4, PA(B)=0,6P_A(B) = 0{,}6, PA(B)=0,6P_{\overline{A}}(B) = 0{,}6. Sind AA und BB unabhängig?

  • (A) Ja, weil die bedingten Wahrscheinlichkeiten in der zweiten Stufe gleich sind.
  • (B) Nein, weil P(A)P(B)P(A) \neq P(B).
  • (C) Ja, weil die erste Stufe ausgeglichen ist.
  • (D) Man muss die VFT berechnen.

Frage 4 (AFB II): P(Streichholz zu¨ndet)=0,9P(\text{Streichholz zündet}) = 0{,}9. P(beide zu¨nden)P(\text{beide zünden}) unter Unabhängigkeit?

  • (A) 0,9+0,9=1,80{,}9 + 0{,}9 = 1{,}8
  • (B) 0,90,9=0,810{,}9 \cdot 0{,}9 = 0{,}81
  • (C) 10,9=0,11 - 0{,}9 = 0{,}1
  • (D) 0,92=0,45\frac{0{,}9}{2} = 0{,}45

Frage 5 (AFB II): Eine VFT ist symmetrisch: P(AB)=0,2P(A \cap B) = 0{,}2, P(AB)=0,3P(A \cap \overline{B}) = 0{,}3, P(AB)=0,3P(\overline{A} \cap B) = 0{,}3, P(AB)=0,2P(\overline{A} \cap \overline{B}) = 0{,}2. Unabhängig?

  • (A) Ja, weil die Tafel symmetrisch ist.
  • (B) Nein. P(A)P(B)=0,50,5=0,250,2P(A) \cdot P(B) = 0{,}5 \cdot 0{,}5 = 0{,}25 \neq 0{,}2.
  • (C) Ja, weil P(A)=P(B)=0,5P(A) = P(B) = 0{,}5.
  • (D) Ja, weil alle Zellen positiv sind.

Frage 6 (AFB II): Eisverkäufe und Sonnenbrandrate korrelieren. Was folgt?

  • (A) Eis verursacht Sonnenbrand.
  • (B) Sonnenbrand verursacht Eiskauf.
  • (C) Die Ereignisse sind stochastisch abhängig, aber es liegt keine Kausalität vor.
  • (D) Die Ereignisse sind stochastisch unabhängig.

Frage 7 (AFB III): 5%5\% der Fahrgäste sind Schwarzfahrer. Zwei nebeneinandersitzende werden kontrolliert. „P(beide Schwarzfahrer)=0,052=0,25%P(\text{beide Schwarzfahrer}) = 0{,}05^2 = 0{,}25\%." Unter welcher Annahme gilt das?

  • (A) Laplace-Annahme
  • (B) Stochastische Unabhängigkeit
  • (C) Gesetz der großen Zahlen
  • (D) Keine besondere Annahme

Frage 8 (AFB III): Wenn AA und BB unabhängig sind, gilt in der VFT: ad=bca \cdot d = b \cdot c. Was ist der erste Schritt des Beweises?

  • (A) a=P(A)P(B)a = P(A) \cdot P(B) einsetzen.
  • (B) a+b+c+d=1a + b + c + d = 1 nutzen.
  • (C) P(A)=a+bP(A) = a + b einsetzen.
  • (D) Einen Widerspruch konstruieren.

Begründungsaufgabe

Beweis: a · d = b · c

Wenn AA und BB stochastisch unabhängig sind, gilt für die VFT:

BBB\overline{B}Summe
AAaabba+ba+b
A\overline{A}ccddc+dc+d
Summea+ca+cb+db+d11

Zeige: ad=bca \cdot d = b \cdot c.

Geführte Zwischenschritte:

Schritt 1: Aus der Unabhängigkeit folgt a=P(A)P(B)=(a+b)(a+c)a = P(A) \cdot P(B) = (a+b)(a+c).

Schritt 2: Analog: d=P(A)P(B)=d = P(\overline{A}) \cdot P(\overline{B}) = _____

Schritt 3: b=P(A)P(B)=b = P(A) \cdot P(\overline{B}) = _____ und c=P(A)P(B)=c = P(\overline{A}) \cdot P(B) = _____

Schritt 4: Berechne ada \cdot d und bcb \cdot c. Sind sie gleich?


Transferaufgabe: Werbepsychologie

Werbung und bedingte Wahrscheinlichkeit

Werbung suggeriert: Attraktive Menschen (AA) besitzen häufiger ein Produkt (BB): PA(B)>P(B)P_A(B) > P(B).

(a) Konstruiere eine VFT, bei der PA(B)>P(B)P_A(B) > P(B) gilt. Prüfe: Gilt dann auch PB(A)>P(A)P_B(A) > P(A)?

(b) Begründe allgemein: Aus xx+u>x+y\frac{x}{x+u} > x+y folgt xx+y>x+u\frac{x}{x+y} > x+u (mit der Tabelle x,u,y,vx, u, y, v, Summe =1= 1).

(c) Welche „Botschaft" transportiert die Werbung damit?


Vernetzung: Gesamtrückblick

Rückblick auf die Reihe

In vier Wochen hast du gelernt:

  1. Grafiken kritisch lesen — Manipulationsmethoden erkennen und beurteilen.
  2. Zwei Merkmale in einer Vierfeldertafel organisieren — und den richtigen Grundwert wählen.
  3. Bedingte Wahrscheinlichkeiten berechnen — und verstehen, wie Information das Urteil verändert.
  4. Stochastische Unabhängigkeit prüfen — und Modellannahmen kritisch reflektieren.

Das alles zusammen nennt man: Statistisch kompetent sein — Daten verstehen, hinterfragen und richtig einordnen.


Reflexion

Gesamtreflexion

Reihen-Leitfrage: Wie sicher kannst du einer Zahl vertrauen — und wovon hängt das ab?

Nenne je ein Beispiel aus jedem Kapitel, in dem du einer Zahl zunächst vertraut hast, aber dann durch genaueres Hinschauen ein anderes Bild bekommen hast. Was hat dir jeweils geholfen?

Kapitel-Leitfrage: Wann ändert eine Information deine Einschätzung — und wann nicht?

Nenne eine Situation, in der du stochastische Unabhängigkeit annehmen würdest — und eine, in der nicht. Begründe.

Textabgabe